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Wassermusik III

  Der Rhein und seine Geräusche sind mir von Kindheit an vertraut. In der Vorfreude auf den 1. Ultra-Weltkulturerbe-Rheintal-Lauf stelle ich mir die Musique concrète vor, die ich am 27. September 2003 auf 67 Rheinkilometern von Koblenz nach Bingen hören werde:

Das fast unhörbare Knistern, wenn sich ein Zug nähert, sich zu einem Fauchen steigernd, durch Wagenzwischenräume rhythmisch moduliert, und in Tunnelröhren mit einem ganz speziellen Hall.

Die zwei- bis vierstimmige Fuge aus Zügen links und rechts des Rheinstroms.

Das abgrununununundtiefe Wummummummummern der Schiffsdiesel.

Das weinselige Gackern und Krähen einer Seniorengruppe neben einem Reisebus.

Kirchenglocken.

Das aggressive WM-WM-WM-WM-WM aus den kofferraumfüllenden Dröhnungen in hin und wieder vorbeibrüllenden juvenilen Blechkisten.

Dazwischen immer wieder Phasen relativer Stille, in denen die Tier-, Wind- und Wasserstimmen zur Geltung kommen, die einmal das einzige Orchester im Rheintal waren, jetzt aber nur noch kleine, leise Soloparts spielen.

 
   
 

27. September 2003, 6:08 Uhr, Bingen Hauptbahnhof

Bereits beim Abholen der Startnummern um 5:00 Uhr im Kulturzentrum Bingen zeigt sich, was diesen Lauf so angenehm prägen wird. Nirgendwo ist Hektik zu spüren, Entspannung ist angesagt. Wir schlendern gemütlich zum Bahnhof und steigen um kurz nach 6 in einen Zug nach Koblenz.

 
   
  Angela und Veranstalter Wolfgang

Auf der Fahrt erzählt Wolfgang von der schwierigen Organisation des Laufs, die ihn in den letzten Wochen fast vollständig vereinnahmt hat. Der heutige Tag wird zeigen, dass er an alles Wichtige gedacht hat; es ist eben ein großer Vorteil, wenn der Organisator selbst Ultraläufer ist.

 
   
  Bruno vor der Kulisse der Festung Ehrenbreitstein

In Koblenz hat Wolfgang einen Bus gemietet, der uns vom Bahnhof zum Startpunkt am Deutschen Eck bringt. Mein Lauffreund Jürgen H. ist völlig überrascht, im Bus Bruno aus Winterthur wiederzusehen. Wir drei haben beim 50-km-Lauf in Rengsdorf/Westerwald ein fröhliches Team gebildet.

 
   
  Start am Deutschen Eck

Nach einer kurzen Einweisung durch Ulrike und Wolfgang ("Immer am Rhein entlang - flussaufwärts") setzen sich ungefähr 70 Läuferinnen und Läufer um 8:00 Uhr gemächlich in Bewegung.

 
   
  Bernhard, Bärbel und Rudolf

Von Bruno ist bald nichts mehr zu sehen; erst bei Kilometer 50 holen wir ihn wieder ein.

 
   
  Jürgen H. vor der Marksburg

Zwischen Koblenz und Braubach laufen wir lange neben einen Schlepper her, der stromaufwärts genau in unserem Ultralauftempo fährt. Fast alle Bewegungen im Rheintal strahlen Ruhe auf mich aus. Die Züge am gegenüberliegenden Ufer scheinen im Schneckentempo zu fahren. Nur ein paar Autos auf der Straße, an der wir kilometerweit entlanglaufen, fallen durch gewagtes Überholen auf. Bald beachte ich den Verkehr rechts nicht mehr, denn die Rheinschleifen bieten immer wieder neue Panoramen.

 
   
 

Der Morgendunst lässt die Landschaft zu einem Pastellbild werden.

Die Phasen relativer Stille, die ich mir in der Vorfreude auf den Lauf ausgemalt habe, sind länger als erwartet. Immer wieder höre ich Vögel zwitschern.

Etwas lauter wird es in Boppard. Auf der Uferpromenade laufen wir Slalom zwischen vielen Touristen und amüsieren uns über die je nach Alkoholpegel lustigen bis derben Bemerkungen.

 
   
 

Das Ultra-Niedrigwasser des Rheins gibt ein so breites Ufer frei, dass ich mich stellenweise an meine geliebte Nordsee bei Ebbe versetzt fühle.

 
   
 

Am Pfalzgrafenstein bei Kaub lassen wir uns von einem privaten Verpflegungsposten fotografieren, dem wir alle paar Kilometer wieder begegnen.

 
   
  Ein Nebenarm des Rheins

Weiter flussaufwärts erinnert ein Nebenarm, der kaum noch Wasser führt, an einen Gebirgsbach.

 
   
 

Auf den letzten Kilometern laufen Jürgen H., Bruno und ich jeweils das eigene Tempo. Jürgen hat noch gewaltige Reserven und kommt weit vor mir ins Ziel.

Auf der Nahebrücke zwischen Bingerbrück und Bingen werde ich von einem Fahrradbegleiter in Empfang genommen, der mich das letzte Stück bis zum Bürgermeister-Neff-Platz lotst. Der Zieleinlauf ist als halbe Runde um den Platz arrangiert, und jeder Finisher wird mit Beifall und Jubel begrüßt.

 
   
  Bernhard

An einem Verpflegungsstand im Ziel gibt es neben Bananen, Orangen und Kiwis sogar rote und weiße Trauben vom Rhein. Beinahe verpasse ich den Zieleinlauf von Bernhard.

 
   
  Elisabeth

Kurz danach folgt Elisabeth ...

 
   
  Florian

... und schließlich auch Florian, der heute seinen ersten Ultra-Marathonlauf erfolgreich beendet hat.

 
   
  Passtschon

Passtschon.

 
   
  Bikesupporter

Eine besonders schöne Idee der Organisation sind die Bike-Supporter, die die Läufer zwischen den Verpflegungsstellen mit Wasser versorgt haben. Dem Fahrrad-Team und auch den Helfern an den Verpflegungsstellen möchte ich besonders danken, denn ihre Fürsorge und gute Laune war einfach vorbildlich.

 
   
 

Jürgen Rodeland, 29. September 2003

 
 

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