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Barfuß gehen zur Regeneration im Lauftraining |
| Warum ich so oft wie möglich barfuß gehe Der Langstreckenlauf gehört für mich mittlerweile zum Lebenswichtigen. Zu einer schönen und angenehmen Nebensache ist "Andante senza scarpe" geworden. Ich hatte mir durch das Lauftraining ein Problem eingehandelt, das schubweise immer schlimmer wurde und Anfang 2002 chronisch zu werden drohte: eine schmerzhafte Entzündung des Sehnenansatzes am hinteren Ende des Fußgewölbes, im Medizinerlatein: Plantarfasziitis. Bei einem Läufer schrillen bei dieser Diagnose alle Alarmglocken, denn eine chronische Plantarfasziitis kann das Aus für das Laufen bedeuten. Meist ist eiserne Disziplin und viel Geduld nötig, um das Problem in den Griff zu bekommen. Ein Therapieansatz ist die Stärkung der Fußmuskulatur durch Fußgymnastik. Von einer Physiotherapeutin lernte ich eine Reihe Übungen, die ich so regelmäßig wie möglich durchzuführen hatte. Ich bemühte mich, die Fußgymnastik als Selbstverständlichkeit in meinen Tagesablauf einzubauen, hatte aber meine Mühe damit. Irgendwo hatte ich gehört, dass auch barfüßiges
Gehen die Fußmuskulatur stärkt. Im April 2002 fing ich
damit an. Die ersten Versuche Mein erster Barfußspaziergang wurde zu einer größeren Herausforderung, als ich es mir vorgestellt hatte, denn jedes noch so kleine Steinchen stach. Wegen der vielen Spaziergänger, die an diesem schönen Tag unterwegs waren, bewahrte ich Haltung, so gut es ging (obwohl es einem eigentlich egal sein kann, was andere Leute denken; dazu später mehr). Nach wenigen hundert Metern erreichte ich die rettende Haustür. Ich sah mich in einer ähnlichen Situation wie 1 1/2 Jahre vorher, als ich nach 15 Jahren Dasein als Couch-Potato mit dem Laufen begonnen hatte und beim ersten Mal nur 300 Meter schaffte. Das kann es nicht sein, dachte ich, gegen so viel Schwächlichkeit unternehme ich etwas. Sofort. Ich ging jetzt jeden Tag, an manchen Tagen auch zwei
mal, eine Runde barfuß. Täglich wurde die Runde ein Stückchen
länger, und die Fußsohlen jammerten immer weniger. Der
Fortschritt kam ebenso schnell wie anderthalb Jahre
vorher beim Beginn meines Lauftrainings. Es macht Spaß! Nach Überwindung der ersten Schwierigkeiten lernte ich eine völlig neue, sinnliche Erfahrung kennen. Die Fußsohlen sind ein überaus empfindliches Tastorgan, dessen Tastfähigkeit sogar mit zunehmender Erfahrung wächst. Jahrzehntelang waren die Füße in Schuhen von der Außenwelt abgeschirmt, und längst ist vergessen, was man als barfüßiges Kind empfunden hat. Die Wiederentdeckung, dass bloße Füße ein ebenso sensibles Tastorgan wie Hände sind, war für mich eine geradezu umwerfendes Erlebnis. Ich finde, Füße haben den Händen sogar etwas voraus. Wenn man mit den Händen etwas betastet, bestimmt oft analytisches, buchstäblich "begreifendes" Denken die Wahrnehmung. Der Tastsinn der Füße ist im Gegensatz hierzu ursprünglicher, rein sinnlich ohne Lenkung durch den Verstand, fast könnte man sagen: animalisch. Es macht Spaß, mit den Füßen die verschiedenen Eigenschaften von dem, worauf man geht, zu fühlen: Asphalt in allen seinen Mischungen von glatt über rau bis reibeisenartig; weich-rundes Kopfsteinpflaster; federnder Waldboden mit einer Unmenge prickelnder Tannennadeln; unbefestigte Feldwege mit Erde, die je nach Feuchtigkeit und Temperatur matschig-warm bis zäh-kalt ist; Kies, der die Fußsohlen massiert und vieles mehr. Hinzu kommt das Erfühlen einer immer weiter werdenden
Temperaturskala. Als ich im April anfing, war es warm bis
angenehm kühl; später im Sommer holte ich mir auf
schwarzem Asphalt auch mal Brandblasen (und lernte daraus).
Im Herbst erschloss ich Temperaturen bis wenige Grad
Celsius. Nach einem langen Bürotag ist es ausgesprochen
erfrischend, bei Regenwetter barfuß durch Pfützen zu
gehen, die so kalt wie ein gepflegt gezaptes Fassbier
sind. Jetzt im Winter taste ich mich vorsichtig an
Frostgrade heran und genieße die seltenen Tage mit
Schnee. Barfuß in frisch gefallenem Schnee zu gehen, ist
fast so schön wie der Runner's High! Ein exquisiter
Genuss sind auch Spuren von grobstolligen Traktorreifen
auf erdigen Wegen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Risiken und Vorsichtsmaßnahmen Ist das nicht gefährlich? Das ganze Leben ist gefährlich. Natürlich beachte ich eine Reihe Vorsichtsmaßnahmen, denn ich möchte mir die Füße nicht ruinieren, sondern sie im Gegenteil gesund bewahren.
Auf www.hobby-barfuss.de gibt es viele wertvolle Hinweise, z. B. unter dem Link "die besten Beiträge" ganz unten, darunter auch Tipps zum Barfußgehen bei Frost. Damit ist das m. E. größte Risiko des Barfußgehens angesprochen. Mit Erfrierungen ist nicht zu spaßen. Aus den vielen Forenbeiträgen und den FAQs lässt sich das Fazit ziehen, dass die Kältetoleranz nackter Füße völlig individuell ist. Manche holen sich schon bei +5 Grad Frostschäden, andere gehen mühelos bei -10 Grad. Deshalb beachte ich bei Kälte besondere Vorsichtsmaßnahmen.
Barfuß in der Öffentlichkeit als Provokation? Provozieren möchte ich mit meiner Marotte niemanden. Allerdings scheinen bei manchen Leuten nackte Füße mit einer Art Tabu verbunden zu sein, und gelegentlich höre ich Zurufe in aggressiv-pöbelndem Ton wie "Wohl die Schuhe vergessen, oder was?" In der großen Mehrheit sind die Reaktionen, vor allem
bei kaltem Wetter, erstaunt bis belustigt, und da lache
ich gern mit. Ziemlich oft fragen mich Kinder, warum ich
keine Schuhe anhabe, und mit meiner Antwort "weil
mir das Spaß macht" sind sie zufrieden. Und wie steht es mit der Hygiene? Das steht bereits im 1. Buch Mose, Kapitel 18, Vers 4: "Man soll euch ein wenig Wasser bringen, eure Füße zu waschen, ...". Dank der "Segnungen" unserer Zivilisation muss sich heute niemand mehr das Wasser bringen lassen. Nur wenn ich besonders staubige Wege gegangen bin,
bleibt auch mal trotz Seife ein Grau- oder Braunschleier
zurück. Vorteile für die Gesundheit Meine Plantarfasziitis bin ich los. Nur selten meldet sie sich nach einem Tempotraining zaghaft zurück, und schnell habe ich sie dann wieder im Griff. Mittlerweile nutze ich besonders die lauftrainingsfreien Tage zum barfuß gehen, woraus auch mal eine zwei- bis dreistündige Wanderung werden kann, oder ich verfalle barfuß in ultralangsames Joggen. An den Fußsohlen kann man Veränderungen beobachten. Man bekommt nicht etwa eine Hornhaut oder Schrunden, die Haut wird nur etwas dicker und vor allem zäher. Unter technischen Gesichtspunkten betrachtet, ist sie ein erstklassiges, strapazierfähiges, selbstregenerierendes Material. Verletzte Fußsohlen habe ich nur selten. Die
Schmerzempfindung ist hierbei kurios. Manchmal ramme ich
unvorsichtigerweise die Ferse in einen Stein und glaube
wegen des heftigen Schmerzes einen Moment lang, mich
verletzt zu haben - aber es ist nichts zu sehen!
Anderseits kommt es vor, dass ich beim Duschen eine
kleine Blutblase finde, deren Entstehung ich überhaupt
nicht gespürt habe. Kleine Blasen und Schnitte an
trainierten Fußsohlen heilen überraschend schnell und
problemlos ab. Vorteile für das Langstrecken-Lauftraining Neben der allgemeinen Stärkung der Fußmuskulatur vermute ich einen weiteren positiven Effekt, den ich leider nicht beweisen kann. Es kommt mir so vor, als hätten sich unter den Fußsohlen im Fersenbereich gel-artige Polster gebildet. Das Barfuß-Training bewirkt anscheinend eine Strukturverstärkung im Fettgewebe der Unterhaut. Vielleicht kann ein Mediziner das bestätigen. Hinzu kommt eine Erweiterung des Laufstil-Repertoires.
Ich wechsle beim Laufen wie beim barfüßigen Gehen nach
Lust und Laune zwischen Vorfuß-, Mittelfuß- und
Fersenaufsatz. Die von vielen Läufern kontrovers geführte
Diskussion pro und contra Vorfußlaufen ist hiermit für
mich persönlich bedeutungslos geworden. Zur Nachahmung empfohlen? Für eventuelle Schäden, die entstehen könnten, weil ich einen Gefahrenhinweis vergessen habe, übernehme ich keine Verantwortung :-) |
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