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Wie ich zu meinem 1. Ultra kam!oder Vatertag ohne Biertrinken?Gastbeitrag von Jürgen Hoffmann |
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| Was kann man als Vater an einem Vatertag besonderes tun? Genau, die Kinder mit der DLRG zur Kanutour schicken und selbst zum 50-km-Westerwaldlauf [www.tv-rengsdorf.de] nach Rengsdorf fahren, die 50 km laufen, und dann, ja dann endlich den verdienten Gerstensaft zum Auffüllen der leeren Kohlenhydratspeicher genießen. Aber der Reihe nach: | ||
In meiner alten Heimat Rengsdorf gibt es jedes Jahr an Himmelfahrt den Volkswandertag mit einer 50-km-Strecke. Schon lange spielte ich mit dem Gedanken, diese Strecke einmal zu laufen, mir fehlte lediglich der Mut dazu. Was lag da näher, als es in diesem Jahr wirklich zu tun? Klar, die Vorbereitung für ein solches Unterfangen muss stimmen. Und das tat sie durch mein Training für den Helgoland-Marathon am 10.05.2003. Auf Helgoland erzählte ich Jürgen R., der eigentlich in Biel 100 km laufen wollte, von meiner Idee. Eine Woche später entschied er sich für Rengsdorf. Der Laufbericht vom Steppenhahn aus 2002 gab schließlich den Ausschlag mich anzumelden. Jetzt waren wir schon zu zweit. Durch Helges Laufforum entdeckte ich auch noch einen Arbeitskollegen, der ebenfalls in Rengsdorf laufen wollte. Für ausreichende Kurzweil sollte also gesorgt sein. Eine bestimmte Laufzeit hatte ich mir nicht gesetzt, allein der Weg sollte das Ziel sein. |
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| Der 29.05.2003 kam unaufhaltbar näher, und meine Nervosität steigerte sich. Viele Fragen gingen mir durch den Kopf. Hatte ich genug trainiert? Stimmten die langen Kanten? Wer bremst mich nach dem Start? Was kommt nach km 42,195? Alles Quatsch, ich habe doch einen erfahrenen Ultra, der mich unter seine Fittiche nimmt. | ||
| Ich frühstückte am 29.05. wie gewohnt um 6:00 Uhr meine normale Ration, 1 Glas O-Saft, 2 Scheiben Brot mit Corned Beef und 2 Tassen Milchkaffee. In der folgenden Stunde trank ich noch 1 Liter Mineralwasser. Ich machte mich startfertig und fuhr ins Freibad Rengsdorf. Dort lief alles wie am Schnürchen (Puls 110), Abholen der Startkarte, freudiges Wiedersehen mit Jürgen R., Kennenlernen von Arnd J. und Bruno Schn., der extra aus der Schweiz angereist war, kurzes Gespräch mit meinem Kollegen Udo K., Organisieren von Pflaster für Jürgen R. (schon wieder!), letzter Toilettengang und schließlich die Streckeneinweisung von Harald Groß! 7:59 Uhr, Puls endlich wieder einigermaßen normal, so um die 80. Pünktlicher Start um 8:00 Uhr. | ||
| Wir, Jürgen R., Bruno Schn. und ich liefen zusammen ziemlich zügig durchs Völkerwiesenbachtal Richtung Bonefeld. Die 1. Steigung am Jagdhaus Kurth brachte unser Tempo wieder ins Lot. Nach der Überquerung der B 256 ging es bergab zum Ehlscheider Freibad. Ich blieb stur bei meinen beiden "alten" Ultra-Hasen Jürgen und Bruno. Bergauf liefen wir nach Kurtscheid. 5 km hatten wir in 30 Minuten zurückgelegt, und Bruno schwitzte noch gar nicht. | ||
| Kurz vor Kurtscheid kam die 1. Geländeprüfung, wir schwenkten scharf links in ein kleines Tal mit Treppe und Brücke. Vor uns hörten wir die lauten Jauchzer eines Läufers, ihm gingen jetzt schon die Endorphine durch. Wir passierten den Eichenhof und den Ortsausgang von Kurtscheid, jetzt sollte es erst einmal nur bergab gehen. An der Verpflegungsstelle 1 bei km 9 (Zeit 55 Minuten) tranken wir jeder ein Fläschchen Mineralwasser mit Kohlensäure. Dadurch entwickelten wir anschließend eine neue Sprache; wer uns nicht sah, dachte bestimmt an Wildschweine. | ||
| Durch wunderbar bunt blühende Wiesen liefen wir über
Wolfenacker dem Wiedbachtal entgegen. Den felsigen und
sehr steilen Pfad hopsten wir ins Tal zum Campingplatz Büderloch.
Unsere Stimmung war gut, trotzdem legten wir den Weg
bergauf zum Malberg lieber gehend zurück.
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| Bei km 17 wurden wir von 3 Läufern und mehreren
Mountainbikern überholt. An der Verpflegungsstelle
Solscheid trafen wir den Steppenhahn. Ich aß eine halbe
Banane und trank 2 Becher Leitungswasser. Frisch gestärkt
liefen wir Richtung Malberggipfel, den Steppenhahn immer
in Sichtweite (er ist auch unverkennbar). Bei km 20 kam für
mich die einzige Pinkelpause, die Hydrierung war also ok.
Bald hatte ich Jürgen und Bruno wieder eingeholt, sie
mussten mich bremsen.
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| Vor Hausen bei km 22 gab es eine Teestelle, wir tranken alle kühlen Tee, konnte man bei der Wärme auch gut gebrauchen. In Hausen selbst lockte vergeblich ein Biergarten, wir liefen weiter, die Stimmung wurde immer besser. | ||
| Wir umliefen Waldbreitbach auf der rechten Wiedseite auf einem schmalen Höhenweg mit ständigem Auf und Ab. Die Versorgungsstelle 3 erreichten wir kurz hinter Waldbreitbach bei km 27. Hier aß ich wieder eine halbe Banane und trank Leitungswasser. Für eine kurze Zeit füllte sich die Strecke mit vielen Vatertagsausflüglern, im Wiedbachtal war Hochbetrieb. Jürgen ahmte pfeifend den Klang der nostalgischen Autohupen nach, den wir von der nahen Wiedbachtalstraße hörten. Als erfahrener Ultra hatte er dafür natürlich noch beim Laufen Luft. | ||
| Dann kam er, der lange Aufstieg nach Verscheid, wir gingen lieber (Puls 159). 200 Meter vor Verscheid eine Hinweistafel mit Aufschrift "Zur Erholung". In Verscheid bei km 30 und Puls 181 wusste ich auch warum. Der schwierigste Teil schien überstanden, schien! Bergab liefen wir dem Fockenbachtal entgegen. Hier gab es einige Passagen, wo mir der inzwischen geflügelte Spruch von Arnd Jünemann alias "Sauerländer Bergziege" in den Sinn kam: "No Matsch, no fun". Der km 33 wurde bei exakt 4:00:00 Stunden erreicht. So langsam sehnte ich mich nach einem Berg zum Gehen, aber es kam keiner, nur die Versorgungsstelle bei km 34. Wir tranken kohlensäurehaltiges Mineralwasser und trugen durch unsere "Laute" zur Erheiterung der Umstehenden bei (bei Erschöpfungszuständen ist das erlaubt). Jürgen schöpfte Wasser aus einem Eimer und kippte es über den Kopf, er fragte erst anschließend, ob es die Hundetränke war. | ||
| Ziemlich eben liefen wir in Richtung Hümmericher Mühle weiter (Puls ständig zwischen 155 und 160, gerade an meiner Schwelle). Ab der Mühle gingen wir, obwohl es ein flacher "Berg" war. Es tat gut. Bei km 37 begannen wir wieder mit dem Laufen, es fiel schwer. Die Erlösung nahte mit der Verpflegungsstelle 4. Dort trank ich die 1. Cola, die mir bei meinen Marathons ab km 35 auch immer geholfen hatte. Bruno erholte sich im Campingstuhl ebenfalls bei Cola. Jürgen machte von uns Dreien noch den besten Eindruck. Erst jetzt erfuhr ich, dass Bruno erst vor 4 Tagen einen Marathon gelaufen war und die ganze Nacht im Zug fast ohne Schlaf verbracht hatte. Wir gingen weiter bis zur Höhe Straßenhaus, dort gab Jürgen den "Hans-Guck-in-die-Luft" und fiel prompt hin, aber halb so wild. Leicht trabend überquerten wir wieder die B 256 bei Straßenhaus (ab hier waren es eigentlich nur noch 2 km bis zu meinem Kühlschrank zu Hause) und näherten uns Hardert. Die letzte Verpflegungsstelle war bei km 42,195 erreicht. Wieder Cola und nach kurzer Rast weiter (Zeit 5:40). Bis hier war ich in der Obhut der Ultra-Läufer Jürgen und Bruno bestens aufgehoben, ich hatte plötzlich wieder mächtig Energie. Jürgen hatte das irgendwie gemerkt und schickte mich ins Ziel vor. | ||
| Jetzt hatte ich ein Heimspiel, ich lief einen Teil meiner alten Trainingsstrecke und fühlte die vergangenen 43 km überhaupt nicht. Plötzlich überholten mich doch 2 Damen aus Troisdorf. Ich blieb dran. Nach der letzten Steigung bei km 46 bis 47 war der Rest ein Kinderspiel. Burgweghütte, Birzenbachtal, Freibad, Ziel!!! Meine Frau begrüßte mich und reichte mir ein lange ersehntes Bier. Mein 1. Ultra war in 6:28 geschafft. | ||
| Mein Arbeitskollege Udo K. war schon seit über einer Stunde da, er lief respektable 5 Stunden und 20 Minuten. Bier trinkend und in der Sonne liegend wartete ich auf Jürgen und Bruno, die auch bald eintrafen. Wir ließen gemeinsam den Lauf und die gewonnenen Eindrücke auf uns wirken, die Kulisse und Atmosphäre im Rengsdorfer Freibad unterstützte uns dabei. | ||
Mein persönliches Fazit: Wunderbare Strecke und tolle Organisation mit familiärer Atmosphäre. Wanderer, Läufer und Mountainbiker teilten sich ohne Probleme die Strecke, mit ein wenig Rücksichtsnahme geht alles. Alle meine Ängste im Vorfeld waren unbegründet, Jürgen R. und Bruno Schn. hatten mich wunderbar in die Ultraszene eingeführt, vielen Dank dafür. Körperliche Beschwerden? Keine! Vatertag, Laufen und Bier trinken klappt hervorragend (aber genau in dieser Reihenfolge). Ultra macht süchtig, wirklich. Am nächsten Tag meldete ich mich sofort für den nächsten Ultra an, den "Ultra-Weltkulturerbe-Rheintal-Lauf 2003" von Koblenz nach Bingen. Und Himmelfahrt 2004 bin ich in Rengsdorf wieder am Start. Bestimmt! Jürgen Hoffmann, 4. Juni 2003 |
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